Wahlk(r)ampf

Geht es da wirklich nur um den KSC??

Am Samstag, den 12. Oktober 2019 stand die alljährliche Mitgliederversammlung im Terminkalender des KSC. Unter anderem ging es um die Wahlen des Präsidiums. Bis zwei Wochen vor dieser Wahl war der bisherige Amtsinhaber Ingo Wellenreuther alleiniger Kandidat für diesen Posten. Wie in den bisherigen neun Jahren unter Wellenreuther, hat sich auch bis zu diesem Zeitpunkt kein anderer um dieses schwierige Amt beworben, in dem es nicht selten um die Existenzerhaltung des Traditionsclubs ging.

Am 28. September dann bewarb sich Martin Müller offiziell für das Amt des Präsidenten des Zweitligaclubs. Martin Müller gehörte zu dem Trio des Verwaltungsrates, das sich wenige Tage vor dessen Kandidatur mit dem Karlsruher OB Frank Mentrup getroffen hatte. Die Stimmung zwischen Wellenreuther und Mentrup war mittlerweile sehr angespannt, da der KSC sich veranlasst sah, gegen die Stadt Karlsruhe am 23. September vor Gericht sein Recht einzuklagen. Hierbei ging es um die Herausgabe der Pläne für den Stadionneubau und drei weitere Streitpunkte, in der sich die Stadt Karlsruhe sehr unkooperativ zeigte. Wichtige Entscheidungen beim Neubau des Stadions hängen davon ab, dass der KSC sein Mitspracherecht wahrnehmen kann. So zum Beispiel bei der Anordnung der Cateringstände im Stadion. Es macht wenig Sinn, wenn der Vermieter mir die Möbel in die Wohnung stellt, weil er meint, er könne das besser.

Der KSC bekam in 3 von 4 Fällen in diesem Rechtsstreit recht! Dies bedeutet, dass der Vorstand des KSC völlig zurecht diese Maßnahme ergriffen hat und die Stadt sich außerhalb des rechtlichen Rahmens bewegt. Aus welchem Grund sie das macht, sei nun dahingestellt. Müller, der Prokurist bei der CG Gruppe, hat seinen Geschäftspartner und Bauunternehmer Christoph Gröner an seiner Seite. Der aufwärtsstrebende Firmengründer der CG Gruppe ist sehr ehrgeizig und unterstützt den KSC als Top-Sponsor, würde sogar gerne als Hauptsponsor den KSC unterstützen, muss aber darauf warten bis das langjährige Engagement von Klaiber-Markisen endet. 

Im Vorfeld zur MGV luden die Supporters Karlsruhe am 7. Oktober zu einer Infoveranstaltung ein. Hierbei kamen die Bewerber Wellenreuther und Müller zu Wort, aber auch Mitglieder des Verwaltungsrates, welcher ebenfalls neu gewählt werden sollte, durften sich vorstellen und den Fragen der Zuschauer stellen. Auch "Euro-Eddy" Edgar Schmitt durfte Rede und Antwort stehen, da er sich um das Amt des Vizepräsidenten bewarb. Dass dieser seit einiger Zeit auch auf der Gehaltsliste der CG Gruppe stehe hat Dieter Hegele bemerkt und gefragt, ob Herr Schmitt Geld für seine Kandidatur erhalten habe. Dies veranlasste Euro-Eddy dazu, ihm die Freundschaft zu kündigen und im allgemeinen sehr dünnhäutig zu wirken. Man merkte schnell, dass hier bei vielen Beteiligten die Nerven blank lagen. 

Ingo Wellenreuther warnte vor einem "Heuschreckenszenario", bei dem ein Investor über die Gremienwahlen des Vereins und der daraus sich ergebenden Besetzung des Beirats die 50+1-Regelung unterlaufen werden könnte. Dies veranlasste den Kandidaten Müller bei der MGV in die Verteidigungsposition zu gehen und bei der Vorstellungsrunde (jeder Kandidat hat 10 Minuten Sprechzeit) über drei Minuten damit zu verbringen sich zu erklären. Dies scheint im Allgemeinen eine gängige Geschäftspraxis des Präsidentschaftskandidaten zu sein, denn schon zur Infoveranstaltung der Supporters hat er eine eilends verfasste eidesstattliche Versicherung zu verlesen. 

Mit 51,9 % der Stimmen gewann Ingo Wellenreuther knapp. Von den 1.032 wahlberechtigten Mitgliedern, die anwesend waren, stimmten 496 für Martin Müller und nur vierzig mehr, nämlich 536 für Ingo Wellenreuhter. Auch Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze wurden in ihren Ämtern als Vizepräsidenten bestätigt. Edgar Schmitt spielte bei der Wahl zum Vizepräsidenten keine große Rolle mehr. Nicht zuletzt, weil er mit seinem Verhalten gezeigt hat, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen wäre.  Nun sollte eigentlich ein Strich unter die Angelegenheit gemacht und gemeinsam zum Wohle des KSC die vor uns liegenden Problem in Angriff genommen werden. Doch leider ist dem nicht so. Nur wenige Tage nach der Wahl geht die Schlammschlacht erst so richtig los.

Die Stadt Karlsruhe geht gegen das Urteil der Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe in Berufung! Die BNN titeln: "Top-Sponsor denkt über Ausstieg nach!" Ein weiterer denkwürdiger Artikel des Journalisten René Dankert, der gerne mal ein wenig über die Stränge schlägt. Es wird behauptet, dass Martin Müller verlautbaren ließe, dass die CG Gruppe aus dem Engagement mit dem KSC aussteigen wolle. Einen Tag später musste man dann wieder elegant zurückrudern und klarstellen, dass die Vereinbarungen eingehalten werden. Peinlich bis laienhaft hat man hier wohl versucht ein paar Klicks im Internet zu generieren. Dass die Stadt Karlsruhe nach der Niederlage des Parteifreundes des amtierenden Bürgermeisters Frank Mentrup, Martin Müller gegen das Gerichtsurteil im Stadionstreit in Revision geht, ist ihr gutes Recht. Obwohl es sich hier wohl eher um taktisches Vorgehen handelt, denn die Zeit läuft für die Stadt Karlsruhe. Je länger die Planung läuft, desto schwieriger ist es für den KSC nachträglich Änderungen einzufordern. Und daher sieht sich der KSC mittlerweile auch veranlasst, die zugesagte Einsicht der Planungsunterlagen per Gerichtsvollzieher zu veranlassen. Leider wird es aber immer schwieriger, auf diesem Niveau ein ordentliches Stadion zu realisieren. 

"Ein Bauprojekt dieser Größenordnung und Bedeutung kann auf Dauer nicht vor Gericht geführt werden, sondern nur in gemeinsamer Arbeit an der Sache", so Präsident Ingo Wellenreuther sowie die beiden Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze stellvertretend für alle Gremien. So heißt es dann auch in einem offiziellen Apell des KSC vom 16. Oktober an die Vernunft der Stadt Karlsruhe. Dies kann ich so nur unterschreiben, denn in dieser Angelegenheit geht es nicht nur um einen Fußballverein, sondern um eine ganze Region, die sich hier momentan in allen Medien so darstellt, als wäre man in Karlsruhe nicht in der Lage so viel Potential aufzubringen, um einem weltbekannten Fußballverein eine ordentliche Spielstätte zu bieten.

Frank Mentrup und Ingo Wellenreuther werden niemals Freunde werden. Aber dies ist auch nicht nötig, um dieses Projekt zu meistern. Allerdings ist es dringend erforderlich, dass sich alle Personen professionell verhalten und ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erledigen. Es sind rechtliche Vereinbarungen einzuhalten und persönliche Differenzen außen vor zu lassen. Dies ist eure Pflicht und daran werdet ihr bei eurer nächsten Wahl gemessen! 

18.10.2019

 

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