Saisonfazit


Nerven brauchste, wenn Du KSC-Fan bist!


Eine sehr anstrengende und aufreibende Saison wurde mit einem - eher mit zwei blauen Augen beendet. Zwei Jahre Drittklassigkeit lagen hinter uns. Zwischen Spitzenreiter und Abstiegskandidat haben wir jede fußballerische Emotion durchlebt. 

Aber fangen wir von vorne an: endlich wieder zweite Liga! Nachdem der Verein am zweiten Spieltag auf dem ersten Platz der zweiten Fußballliga angekommen war und auch noch nach langer Zeit endlich mal wieder die erste Runde des DFB-Pokals erfolgreich meisterte, schnellte die Euphorie der Anhänger sofort wieder in die Höhe. Träume vom Aufstieg in die erste Liga, bei den Großen mitmischen und vielleicht sogar Euro-League...  Ach, wie schön kann doch die KSC-Welt sein.


Doch mit der Zeit verebbte nicht nur die Spielidee auf dem Platz, sondern auch die Euphorie auf den Rängen. Mittelmaß war angesagt und man konnte sich noch bis Mitte Dezember auf dem 12. Tabellenrang festbeißen. Doch dann kamen vier Niederlagen in Folge. Eine herzloser als die andere, wie zum Beispiel eine 1:5-Klatsche zu Hause gegen Greuther Fürth, deren Mannschaft vor diesem Spiel gerade mal zwei Punkte mehr auf ihrem Konto hatten und auf dem neunten Rang zwei Plätze vor dem KSC lag.


Und so kam es wieder mal wie so oft vor, dass sich so mancher Fan selbst auf die Trainerbank setzen wollte und die Geschicke des Vereins voranzutreiben wünschte. Auf den (a-) sozialen Netzwerken wurde munter darauf losbeleidigt und geschlaumeiert. Wenn diese ganzen Kompetenzen, die dort vertreten sind, mal zu Gehör finden würden.... Aber, lassen wir das.


Am 3. Februar trennte man sich dann von Trainer Alois Schwartz und Co-Trainer Dimitrios Moutas, nachdem der 17. Tabellenplatz und somit der direkte Abstieg trauriger aktueller Stand waren. Christian Eichner übernahm interimsmäßig deren Job und sollte die Mannschaft schnell wieder zu besseren Leistungen antreiben. Doch sein erstes Spiel als Chefcoach des KSC war das Pokalaus  in Saarbrücken (5:3) gegen eine gut eingestellte und emotionalere Mannschaft, die vom ehemaligen KSC-Mitarbeiter Lukas Kwasniok trainiert wird. Dieser hatte sowieso noch eine Rechnung mit den Karlsruhern offen, da er sehr unrühmlich den Verein verlassen musste. Diese Chance ließen sich die Sarrbrückener nicht nehmen und es gewann der Regionalligist gegen den KSC im Elfmeterschießen.


Auf dem 17. Platz der zweiten Liga hatte Christian Eichner die Mannschaft im Februar übernommen. Einen Monat und fünf Ligapartien später stand der KSC noch immer auf dem vorletzten Abstiegsplatz. Eine großartige Veränderung war nicht auszumachen, obwohl im einen oder anderen Spielzug die ersten Anzeichen einer fußballspielenden Einheit zu erkennen war.


Dann kam die Corona-Krise und mit ihr erst einmal eine zweimonatige Unterbrechung der Saison. Plötzlich hatte man keinerlei Einnahmen mehr und die DFL beschloss aufgrund der Ausnahmesituation, die Insolvenz-Regel zu ändern und Vereine, die Zahlungsunfähig werden, nicht auch noch mit einem Punkteabzug in der folgenden Saison zu bestrafen. Michael Becker in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer sah dort schnell die Möglichkeit, den KSC auf diese Weise zu entschulden. Auf den ersten Blick sicherlich eine tolle Idee, jedoch wurde dabei vergessen, dass das Ansehen und die Geschäftsfähigkeit des Vereins durch einen solchen Schritt erheblich gelitten hätte. Es wurde viel diskutiert und immer öfter stand Präsident Ingo Wellenreuther in der Kritik.


Es bildete sich ein "Bündnis KSC" zu dem auch die Ingenieurgesellschaft GEM aus Rheinstetten gehört. Auf deren Geschäftsführer Martin Müller werden wir später noch zu sprechen kommen. Dieses Bündnis bot an, den Verein mit 6 Millionen Euro zu unterstützen, unter der Voraussetzung, dass der amtierende und erst 6 Monate zuvor demokratisch gewählte Präsident zurücktritt! Dieses Angebot konnte Wellenreuther, der immer im Sinne des Vereins gehandelt hat, nicht ablehnen und so wurde vorübergehend Holger Siegmund-Schulze - bisher unscheinbarer Vizepräsident -  zum Oberhaupt des Karlsruher Sport Club auserkoren. Zwischenzeitlich wurde verlautbart, dass der KSC mit 30 Millionen Euro verschuldet war und diese Schuldlast nun auf 10 Millionen Euro gesenkt werden konnten. Dafür wurde allerdings ein Teil des "Tafelsilbers" verscherbelt.


Nachdem die Corona-Hysterie abflachte und wieder ein wenig Normalität in den Alltag einkehrte, wurden alle Spiele im Profifußball ohne Zuschauer ausgetragen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Hier entstand eine völlig neues Fußballgefühl, denn man hörte bei den Fernsehübertragungen jede Traineranweisung und jeden Zuruf der Mannschaftskameraden. Die geile Fußballstimmung, die die Fans bisher Woche für Woche boten, fehlt aber seither ungemein!


Der Stadionneubau indes blieb von dieser ganzen Situation unberührt und so konnte fleißig weitergearbeitet werden. Über die eingerichteten Webcams der Stadt konnte der Fußballverrückte diesem Geschehen immer wieder seine Aufmerksamkeit schenken.


Sportlich kämpfte sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel durch die Saison. Der Zuschauer durfte aber auch Steigerungen der Kampfbereitschaft und des Zusammenspiels erkennen. Doch immer wieder kam es zu harten Rückschlägen und so konnte es der KSC nicht schaffen, besser als auf dem drittletzten Platz der Liga zu klettern. Erneut stand eine Relegation bevor! Für KSC-Fans eine Hiobsbotschaft. Denn einen solchen Wettbewerb beendete der Verein erst ein Mal *  als Sieger. Doch durch einen 2:1-Sieg bei Greuther-Fürth am letzten Spieltag rettete der KSC sich förmlich in letzter Sekunde auf den 15. Platz und entging so in letzter Sekunde der Relegation. Der 1. FC Nürnberg rutschte punktgleich und mit zwei Toren weniger auf dem Konto auf den Relegationsplatz ab. Der KSC war für eine weitere Saison zweitklassig!


Am 30. Juli 2020 musste dann das Präsidium noch neu gewählt werden, da ja der bisherige Präsident zum Rücktritt gezwungen wurde. Der bisherige Vize Holger Siegmund-Schutze wurde neuer Präsident. Seine Vizes wurden neben dem unangefochtenen Milliardär Günter Pilarsky eben dieser Martin Müller, der im Oktober 2019 noch gegen Wellenreuther unterlag und dessen Rücktritt zusammen mit dem Bündnis KSC forcierte.


Wollen wir im Sinne des Vereins hoffen, dass es endlich, nach langen Querelen wieder aufwärts geht und man mit Stolz sein Trikot tragen kann. Traurige und peinliche Momente hat man als KSC-Fan schon zur genüge über sich ergehen lassen müssen. Und das schon eine ganze Weile lang. Ich wünsche allen Beteiligten ein glückliches Händchen und viel Erfolg bei ihren Entscheidungen.


Jetzt ist erst mal Sommerpause angesagt und die blau-weiße Fangemeinde kann durchatmen.





* vielen Dank an Bernd Klingenbrunn, der mich über den Grandiosen 5:1 Relegationserfolg im Jahr 1980 informierte bei dem Stephan Groß, Karl-Heinz Struth, Raimund Krauth und der legendäre Emanuel Günther für den KSC trafen. 



jws 31.07.2020 Dorit Sans 15



 

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