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Ekelhaft


Normalerweise bin ich ein recht friedlicher Mensch. Doch wenn ich an der Supermarktkasse anstehe, um meinen wöchentlichen Einkauf zu bezahlen, überfällt mich regelmäßig ein gewaltiger Ärger, gepaart mit einem enormen Würgereflex und dem dringenden Wunsch, mich vor Ort zu übergeben. Es bieten sich mir an jeder Kasse Regale, gefüllt mit Zigarettenpackungen, welche mit Ekelbildern ausgeschmückt sind. Seit 2016 sind solche Bilder auf Zigarettenpackungen gesetzliche Pflicht und sollen die Bevölkerung vor den gravierenden Gefahren, die vom Konsum von Zigaretten ausgehen, warnen. 

Sicherlich ist es angebracht, die Raucher und alle, die mit dem Gedanken spielen, einmal einer zu werden, darauf hinzuweisen, was sie sich und ihrem Körper antun, beziehungsweise antun werden. Doch wenn man, wie ich, keine Lust darauf hat, diesen völlig überteuerten Selbstmord mitzumachen, sollte es doch die Möglichkeit geben, von dessen Folgen - auch optisch - verschont zu bleiben. Was bringt es, einen Schwimmer darauf hinzuweisen, welchen Gefahren er beim Skispringen ausgesetzt ist??

Aber nein! Ich werde gezwungen, mir Bilder von verstümmelten Beinen, abgefaulten Zehen, Augenerkrankungen, offenen Lungen oder Zahnfleischentzündungen anzuschauen, obwohl mir nicht danach ist, den giftigen Rauch in mich aufzusaugen. Ich möchte nicht rauchen, nein! Warum muss ich mir dann diese Bilder anschauen? Es gibt für mich als Kunden keinen Ausweg, wenn ich nicht verhungern will, denn ich muss ja einkaufen gehen und mein Essen bezahlen. Doch leider kann ich das nur, wenn ich an eine Kasse anstehe, an der ich mein Warten auf den Moment, bis ich endlich dran bin damit verbringe, mich darauf zu konzentrieren, dass meine letzte Mahlzeit nicht auf dem Laufband der Kasse als Erbrochenes endet. 

Manchmal habe ich ja ein wenig Glück und erwische gerade einen Tag, an dem nur harmlose Hinweisbilder von verstorbenen Angehörigen, Warnungen vor Impotenz und Schlaganfall zu sehen sind. Doch leider sind solche Tage eher die Seltenheit. Und es verwundert mich dann doch schon sehr, dass die anderen Kunden sich nicht daran stören, dass sie und vor allen Dingen ihre Kinder diese Bilder anschauen müssen, die einen bis in den Schlaf verfolgen können. Und wenn man es sich richtig überlegt, sollte eigentlich an den Warnhinweisen noch ein Warnhinweis angebracht sein, der einem vor dem Betrachten des Warnhinweises warnt. 

Dabei wäre es doch ganz einfach, diesem Irrsinn aus dem Weg zu gehen, wenn der Supermarktbetreiber dem unten abgebildeten Beispiel folgt und diese grauenhaften Bilder überdeckt. Wenn ein Kunde dann zu einer Zigarettenpackung greift, in der Absicht, diese käuflich zu erwerben, dann kann er sofort die darauf abgebildeten Schockfotos sehen und sein Kaufvorhaben nochmals überdenken. Der nichtrauchende Einkäufer wird somit aber von diesem ganzen Irrsinn verschont und kann getrost seinem Tagwerk nachgehen.

Ich habe mich jetzt entschlossen, den Supermarktbetreiber zu kontaktieren und über diesen Missstand zu informieren. Vielleicht kann ich ja etwas damit bewirken. Und wenn der eine oder andere Besucher dieser Homepage meinem Beispiel folgt, könnten wir sogar in der Summe etwas bewirken und diesem wöchentlichen Unheil entgehen. Ich würde mich sehr darüber freuen!

 

23.12.2019

 

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