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:: Fluch Valencia

Der Fluch von Valencia

 

Dienstag, 2. November 1993 – Das Wunder vom Wildpark, wie dieses Spiel von nun an genannt wird. Ein Spiel, das die Geschichte des Vereins bis heute prägt. Noch 25 Jahre später wird man die Geschicke rund um den Wildpark an diesem einen Fußballspiel messen.

Das Hinspiel in Valencia hatte man noch mit 3:1 verloren und ging so als klarer Außenseiter in die vermeintlich letzte Begegnung der noch jungen UEFA-Pokal-Karriere des KSC. Doch dann kam alles ganz anders. Edgar Schmitt traf vier Mal, Rainer Schütterle, Walerie Schmarow und Slaven Bilic je einmal zum legendären 7:0 Sieg. Im Tor stand Oliver Kahn und auch Wolfgang Rolff, Sergei Kirjakow und Dirk Schuster sind noch heute keine unbekannten Namen. Manfred Bender, Rainer Krieg und Rainer Schütterle standen damals auch noch auf dem Platz. Geführt wurde die Mannschaft vom  legendären Winfried Schäfer, der 1986 bis 1998 Trainer beim KSC war. Für heutige Verhältnisse unglaubliche 12 Jahre! Ab diesem Spieltag wurde er „Winnie Wahnsinn“ genannt.  Jörg Dahlmann kommentierte damals die Begegnung im Fernsehen mit legendären Sätzen wie: „ein klasse Heber. Ach, ich liebe Leute, die Heber machen. Und er hebt und hebt und hebt und hebt – hinein ins Tor!“

Der Karlsruher SC erlebte einen Höhenflug, der seinesgleichen sucht. Bis zur Saison 1998, denn dann folgte der Absturz in die zweite Liga und gleich darauf der Niedergang in Liga Drei. Das erste Mal in der Saisongeschichte stürzte der KSC von ganz  Oben ins Bodenlose. Misswirtschaft, Überheblichkeit und Größenwahn waren wohl die wichtigsten Faktoren dieser Misere. Ich erinnere mich noch an die Aussage von Winfried Schäfer, der nach dem Verkauf von Michael Tarnat und Thorsten Fink tönte: „jeder Spieler ist zu ersetzen!“. Winnie Größenwahn wurde der Trainer mittlerweile genannt.  Wenn man sein komplettes Mittelfeld verkauft – dies zum größten Teil an den FC Bayern München, was zwar viel Geld brachte, aber auch immer wieder die Mannschaft schwächte – hat das früher oder später Konsequenzen.  Sehr bittere Konsequenzen für den KSC. Denn danach folgte eine lange Durststrecke in der zweiten Liga, die von einem kurzen Besuch in Liga eins bis wieder direkt in die dritte Liga, dann wieder nach oben bis zuletzt zum dritten Mal in Liga drei, wo wir momentan um einen Platz auf der Relegation bangen, eine nervenaufreibende Berg- und Talfahrt nahezu im Konkurs endete.

Dies scheinen aber viele Anhänger des Karlsruher Sport Club sehr gut zu verdrängen. Denn schon nach dem kleinsten Aufschwung , einer Siegesserie oder gar einem Aufstieg wird sofort wieder geplant, wie erfolgreich der KSC denn diesmal sein wird. Die Ultras stimmen Europapokal-Gesänge an und den Aufkleber (siehe Bild unten) gibt es auch noch nicht allzu lange. Eigentlich sollte man ja froh sein, wenn man solch optimistische Fans hat, doch leider ist es in Karlsruhe nun mal so, dass dieser Optimismus schnell in unkontrollierte Euphorie umschlägt und plötzlich die Erwartungshaltung grenzenlos wird. Irgendwann müsste doch eigentlich jedem Anhänger des Vereins klar sein, dass es auch gewisser finanzieller Mittel bedarf, um einen vergleichbaren Erfolg wieder anzupeilen. Und statt das wenige Geld  das wir haben zu hüten, wird es mal wieder sinnlos mit Bengaloexzessen verbrannt, wie zuletzt beim Spiel in Lotte. Hier wird mit Sicherheit noch eine größere Geldstrafe auf den Verein zukommen. Aber über dieses Thema möchte ich mich hier an dieser Stelle nicht weiter auslassen.

Den Fans und Freunden des Karlsruher Sport Club würde es gut stehen, wenn sie mal den Erfolg gegen Valencia vergessen würden und sich daran erinnern, wo der KSC her kommt und wo er steht. Denn auch in der momentanen Situation ist es nicht üblich, dass man  - wie aktuell - fünf Monate am Stück nicht verliert und gerade mal fünf  Gegentore hinnehmen muss! Solch ein Erfolg bedeutet harte Arbeit und viel Disziplin. Was für manche, die das Spiel vorm Fernseher verfolgen, wie verschenkte Punkte ausschaut, ist in Wirklichkeit hart erkämpfte Knochenarbeit, die akribisch einstudiert wurde. Und wenn ich auf der Haupttribüne sitze, mich umschaue und Leute sehe, die noch nicht mal in der Lage sind, ihre Hände für einen kurzen Szenenapplaus zueinander zu führen, dann erinnert mich das schon an die fette Katze, die der Maus nicht mehr nachjagen will, weil sie sich vor Übersättigung kaum mehr bewegen kann.

Und so stehen sich die Unterstützer der Mannschaft immer wieder selbst im Wege. Nicht die, die bei jedem Spiel die Mannschaft supporten, sondern die, die nach zwei Niederlagen schon wieder anfangen zu maulen und pfeifen, weil der KSC doch für viel größere Ziele als Phönix aus der Asche wieder auferstanden ist. Der KSC ist mit einem ganz schlechten Start in diese Saison gegangen. Die Verantwortlichen haben schnell die Reißleine gezogen und mit Alois Schwartz den richtigen Trainer verpflichtet. Nun ist es wichtig, dass man - auch im Kampf um wichtige Punkte - die Ruhe bewahrt und hinter den Jungs steht. Vielleicht wäre es eben auch mal wichtig, das Stadion voll zu bekommen und Teil einer Bewegung zu werden, die neue KSC-Geschichte wird. Dann muss man sich auch nicht immer auf alte Erfolge berufen, die schon ein viertel Jahrhundert zurückliegen.

blau-weiße Grüße

Euer Sepp

7. März 2018

 

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